Probezeit nicht bestanden

Ich kann mich noch sehr gut an meinen ersten Job nach dem Studium erinnern. Als frisch gebackener BWL-Absolvent nahm ich meine Tätigkeit bei einer Bank im süddeutschen Raum als Unternehmensanalyst auf. Aufgrund meiner raschen Auffassungsgabe gelang es mir auch sehr schnell, mich in die gestellten Aufgabengebiete einzuarbeiten...

Die Arbeit passte einfach perfekt zu meiner Persönlichkeit. Eine Mischung aus analytischen Tätigkeiten und persönlicher Kundenbetreuung. Voller Elan und Tatendrang ging ich täglich an die Herausforderungen der Stelle heran. Es machte mir so viel Spaß, dass ich innerhalb kürzester Zeit zu einem gefragten Ansprechpartner meiner Kunden wurde, die selbst Firmenkundenberater bei anderen Banken waren. Das Telefon stand manchmal tagelang nicht still, während es bei den Kollegen eher vereinzelt einmal klingelte. Mein Selbstbewusstein stieg aufgrund meines Erfolges mit jedem Tag mehr an.

 

Und genau das wurde mir dann auch zum Verhängnis. Im Rest des Hauses wurde ich unter der Hand als heimlicher Chef bezeichnet. Die Kunden wollten nur noch mit mir sprechen, selbst als mein Vorgesetzter am Telefon war. Das muss ihn wohl adhoc zu einem Wutausbruch veranlasst haben. Und nicht nur dazu. Denn ab diesem Tag zogen dunkle Wolken über mir herauf. Ich merkte, dass da etwas nicht stimmte. Auch die Kollegen, die vorher noch eifrig versucht haben mich zu kopieren, verhielten sich mir gegenüber immer distanzierter.

 

Und am Ende der Probezeit war es dann soweit. Ohne Nennung von Gründen wurde mir mitgeteilt, dass man das Arbeitsverhältnis nicht verlängern würde. Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Was um Gottes Willen hatte ich falsch gemacht? Die Antwort lautet: Gar nichts.

 

Aber die anderen haben einfach alles falsch gemacht, was man nur machen kann. Neid ist ja ein absolut menschlicher Zug. Aber er schadet immer wieder Personen und auch dem ganzen Unternehmen. Anstatt gefördert zu werden wurde man hinaus befördert. Anstatt gelobt zu werden wurde man kritisiert. So kann es nicht funktionieren.

 

Heute, 13 Jahre später, kümmere ich mich beruflich darum, solche Vorfälle zu vermeiden und personelle Strukturen dahingehend zu optimieren, dass Unternehmen den größtmöglichen Nutzen aus den Mitarbeitern ziehen können. Und zwar aus dem Grund, weil die Menschen ihre Arbeit gerne machen und entsprechend motiviert sind. Und vor allem weil sie so sein dürfen wie sie sind.

 

Die Führungskräfte sollen jeden Mitarbeiter typgerecht führen (ohne Angst vor Autoritätsverlust), die neu Eingestellten sollen charakterlich ins Team passen und jeder sollte die Aufgaben übernehmen, die auch zu seiner Persönlichkeit passen.

 

Nicht das am Ende wieder nur die übrig bleiben, die ihren Job nur widerwillig machen und diejenigen, die eine echten Mehrwert bedeuten, ihren Hut nehmen müssen. Damit ist wirklich Niemandem geholfen.